Zwischenstand aus Baraka

Aufbruch in Baraka III

In Baraka laufen derzeit viele Dinge, die man nicht auf den ersten Blick erkennt. Hier eine Übersicht, was wir bisher in dem Elendsviertel in Dakar (Senegal) erreicht haben. Der Umbau wird nach der Regenzeit Anfang Oktober beginnen.

Masterplan:

Seit März 2016 haben die Studenten der PBSA (Peter Behrens School of Arts) zusammen mit ihren Professoren und dem BDA (Bund Deutscher Architekten) an dem finalen Masterplan für BARAKA gearbeitet. Diese Aufgabe war extrem aufwendig und zeitintensiv, da das Grundstück selbst uneben ist und zudem die Stadtpläne aus dem Senegal nicht mit den tatsächlichen Gegebenheiten übereinstimmen.

Im Mai 2016 hat sich die YOU Stiftung dazu entschlossen mit Prof. Jochen Schuster und 9 Studenten der PBSA und dem Vorstand des BDA, Bruno Braun, nach Dakar zu reisen, um den Slum auszumessen und sich mit den technischen Beratern der BARAKA-Sonderkommission des senegalesischen Bauministeriums zu besprechen.

Alle Mitwirkenden haben Ihre Energie eingesetzt, um den Masterplan Mitte 2017 in Zusammenarbeit mit dem Hauptsponsor des Baus der casaOrascom bei der senegalesischen Sonderkommission für BARAKA einzureichen.

Interne Anpassungen und weitere Anforderungen des Bauministeriums werden gemeinsam mit senegalesischen Architekten bis Ende September 2017 ausgearbeitet, damit der Abriss der Slumhütten und der Bau der neuen Häuser direkt nach der Regensaison 2017 starten kann.

3 Blogger ausgebildet:

Die BLOGGER aus dem Slum schreiben jede Woche ihre Berichte mit Fotos und lassen uns bis zum Baustart an ihren Geschichten und dem Leben im Slum teilhaben. Sie können die Episoden auf dem « ASC Technologies AG » BLOG mitverfolgen. Wir sind sehr stolz, dass sie seit Februar 2016 eine authentische Berichterstattung auf ihrem Blog aufgebaut haben:

www.barakadakar.wordpress.com

 

Sensibilisierungs-Kampagne:

Die aufwendige Sensibilisierungskampagne bereitete bis November 2016 alle Slumbewohner auf die neuen Lebensbedingungen und hygienischen Standards vor. Darüber hinaus hat eine Volkszählung die Vorbildung der Bewohner, ihre Berufskenntnisse und Vorlieben erfasst. Außerdem haben die Menschen ein Verantwortlichen-Komitee gegründet, das die Mitbewohner informiert, aufklärt und die neuen Umstände mitverfolgt sowie für die zukünftigen Ausbildungsmöglichkeiten Mitverantwortung tragen wird. Die Bewohner Barakas werden in alle Vorgänge einbezogen, um ein direktes „ownership-feeling“ zu entwickeln und die Nachhaltigkeit der neuen Berufe, Ausbildungen und der Lernprozesse zu entwickeln. Dies ist extrem wichtig, damit die Menschen Verantwortung lernen.

 

Gesundheit:

Bis zur Fertigstellung einer neuen Krankenstation profitieren die Menschen von einem Gesundheitsprogramm. Ein Arzt untersucht und behandelt die Slumbewohner zweimal die Woche.

Die deutsche Kinderärztinnen Prof. Dr. med. Antje Schuster (Universitätsklinikum Düsseldorf) und Frau Dr. Sonja Freude haben sich zudem bereiterklärt, die Kinder von Baraka pro bono zu untersuchen und den Arzt vor Ort zu unterstützen.

 

Grundschule BARAKA Liberté VI:

Die Restaurierung der Grundschule von Baraka ist bereits abgeschlossen. Die Renovierungsarbeiten haben die Handwerker des Slums Baraka selbst umgesetzt.

 

Professionelle Coiffeur-Ausbildung für junge Frauen Barakas:

Diese Ausbildungsmöglichkeit für junge Frauen hat bereits begonnen und bildet im ersten Zyklus 10 professionelle Coiffeure aus. Ein Friseursalon für den neuen Stadtteil ist mit diesem Programm zusätzlich in Planung.

 

IT Trainings- und Service-Center für new-Baraka:

Im September 2016 startete die BVMW-IT-Ausbildung für Jugendliche. Die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) sind ein unabdingbares, effizientes Mittel in der Kommunikation, der Wirtschaft und essentiell für eine aktive Mitentwicklung des Senegals. Von Beginn unserer Arbeit in Baraka äußerten die jugendlichen Slumbewohner immer wieder den Wunsch, sich Wissen zu Informatik und über die Nutzung des Internets aneignen zu können. Diesem notwendigen Wunsch kommen wir mit dem IT-Trainingscenter nach.

Bisher fehlten Informatikräume und moderne IT-Ausstattung an Grund-, Mittel- und sogar Oberschulen. Ein Umstand, der eine praktische Arbeit und Ausbildung unmöglich macht. Für dieses IT-Zentrum wurde vorerst eine Abteilung in der „Schumacher Halle“ abgetrennt und eingerichtet. Mit dem Gesamtprojekt BARAKA werden andere Ausbildungsstätten neu eingerichtet.

 

Empowerment Programme für handwerkliche Berufe:

Ein aktuelles Projekt der Recklinghäuser Zeitung und ihren Lesern ist Teil des Entwicklungsprozesses, um den bereits ansässigen Handwerkern sowohl eine Weiterbildung in Betriebswirtschaft, Marketing und der Qualitätssicherung als auch eine Unterstützung bei der Neuaufstellung ihrer Kleinbetriebe anzubieten. Mit dem Projekt sollen bestehende Arbeitsplätze gesichert, neue geschaffen und der Zielgruppe ein regelmäßiges Einkommen ermöglicht werden.

In den vergangenen Jahren vergrößerte sich der Bezirk um Baraka fortlaufend und umschließt nun als gehobener Mittelstandsbezirk den Slum von Baraka. Der Bezirk ist heute Heim für hunderte von neuen Bewohnern, Unternehmen und Ausbildungsstätten entstanden und Ministerien haben ihre Dependancen. Häufig klagen die Einwohner, dass es im Bezirk zu wenige professionelle Handwerker gibt. Die einkommensstärkeren Bewohner des Bezirks vermissen z.B. versierte Maurer und Schlosser, den qualitätsbewussten Tischler, einen Cateringdienst für Familienfeiern sowie die Möglichkeit essen zu gehen.

Aber auch Baraka selbst verändert sich. Der Stadtteil wird auf die Bedürfnisse der Menschen abgestimmt, erreicht neue ästhetische Standards und öffnet sich auch nach außen. Die Bewohner werden neue Dienstleistungsanbieter suchen, werden in ihre Wohnungen investieren und wollen das neue Viertel beleben und einkaufen.

Diese Nachfrage nach solider Handwerksarbeit bzw. Dienstleistungen bedeutet auch die Chance, institutionell und nachhaltig Kleinbetriebe aufzubauen, um die Wirtschaftsleistung des Viertels zu erhöhen. Dem muss auch das qualitative und finanzielle Niveau der Handwerker angepasst werden.

Das Projekt soll jungen Menschen und Frauen die Möglichkeit geben, sich selbstbestimmt auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten und ein regelmäßiges Einkommen erwirtschaften zu können. Bisher sind vor allem Mädchen aus Baraka schon früh vollkommen auf sich alleine gestellt und geraten oft als Hilfsarbeiterinnen in Situationen der sexueller Ausbeutung, frühen Schwangerschaft, Kinderehen und einer dauerhaften Armut.

 

Hausmeister für Baraka:

Die Ausbildung von Hausmeistern hat im September 2017 begonnen. 12 Frauen und Männer aus Baraka werden eine 12-Monatige eine Ausbildung zu Verwaltern der öffentlichen Flächen und Gemeinderäumen durchlaufen. Sie umfasst auch Hygienebestimmungen, Müllverarbeitung und -abfuhr zu sichern und ein harmonisches Zusammenleben  in einer neuen Siedlung zu fördern. Die Sicherheit, Sauberkeit und Instandhaltung der neuen „Cité Baraka“ mit ihren Wohnungen und Gemeinschaftsräumen und öffentlichen Flächen soll so gewährleistet werden.

 

Das Projekt beinhaltet:

Eine Hausverwaltung ist im neuen Stadtteil Baraka eingerichtet und ausgestattet mit Computer, Drucker, Kopierer, Telefon, Internet sowie Reinigungsutensilien und Handwerkzeug. Die ordnungsgemäße Objektbetreuung, Beaufsichtigung, Wartung ist durch geschultes Personal gesichert.

Instandhaltungsaufgaben, insbesondere die Reinigung von Anlagen und Gebäuden sowie die Grünanlagenpflege werden gewährleistet. Abnutzungsschäden werden laufend ausgebessert. Die Hausverwaltung trägt auch zur Einhaltung der Hausordnung und der Mikro-Mieterpflichten bei, greift bei Mieterproblemen bzw. Mieterstreitigkeiten als Mediator ein und meldet besondere Vorkommnisse an die “Société de Reconstruction de Baraka” Bau- und Managementgesellschaft.

 

Schneiderinnen für Baraka:

Die fünf ansässigen Schneiderinnen in Baraka haben Dank der Unterstützung von Samih Sawiris die Möglichkeit, ihren Unterhalt mit der Schneiderei selbst zu finanzieren. Die Freude über professionelle Nähmaschinen, Zubehör, Stoffe und Garne sowie die Nähtische war enorm groß. Eine Art kleines Atelier wurde provisorisch in einem Teil der „Schumacher Halle“ eingerichtet. Mit der Ausstattung kann nun ein Empowerment und die Qualitätskontrolle für die Schneiderinnen eingeführt werden.

Des Weiteren werden die Stromkosten für die ersten Monate übernommen. Allerdings ist sichergestellt, dass dieser nach Ablauf dieser Zeit die Schneiderinnen selbst dafür aufkommen können, so dass neue Mikro-Unternehmen weiter wachsen kann.

Bei dem Projekt geht es nicht nur um das Einkommen der fünf Frauen. Vielmehr sind wegen der hohen Arbeitslosigkeit in Westafrika häufig bis zu 8-10 Familienmitglieder von einem einzigen Einkommen abhängig. Die Kinder dieser fünf Frauen können nun die Schule besuchen.

 

KITA für Baraka:

Ein bisher noch ungelöstes Problem: In Baraka fehlt eine institutionell Betreuung für kleinere Kinder. Eine schwierige Situation für die arbeitenden Mütter, die ihre Kinder nicht in der sichereren Obhut von pädagogischem Personal zu wissen.

Daher nahmen Mütter ihre Kinder am Rücken festgebunden mit zur Arbeit – ein unhaltbarer Zustand bei körperlicher und herausfordernder Arbeit. Die Alternative wäre, die Kinder bei größeren Geschwistern oder völlig auf sich gestellt im Slum zurückzulassen.

Das Ziel der neuen KITA ist der Beitrag zur UNESCO-Forderung Bildung für Alle zu leisten und frühkindlichen Erziehung mit Sprache und Kommunikation, emotionaler und sozialer Beziehungen, Bewegung und Spielen sowie Experimentieren zu fördern. Kindern im neuen Stadtteil Baraka sollen in sicherer Umgebung Kontakte mit Gleichaltrigen pflegen und erste soziale Kompetenzen erwerben. Währenddessen können die Mütter beruhigt einer Arbeit nachgehen.

Dafür werden wir eine Kindertagesstätte für bis zu 60 Kinder (gemäß des Standards des senegalesischen Bildungsministeriums) mit drei Gruppen *petite section bis 3 Jahre,  *moyenne section 3-4 Jahre, *grande section 4-6 Jahre, auf ca 150 m2 mit Küche und Sanitäreinrichtungen  realisieren. Pädagogisch gut geschultes Personal wird eingestellt und regelmäßig fortgebildet, das Curriculum für die Kombination von Betreuung, Bildung und Erziehung wird aufgebaut.

Die KITA soll während der Reise von Ute Ohoven und Ihrer Tochter Claudia diesen September 2017 in Auftrag gegeben werden.

 

Geplanter Baustart:

Der Baustart ist nach der Regenzeit 2017 geplant. Der ORASCOM HOLDING DEVELOPMENT, casaOrascom welche die Verwandlung vom Slum zum modernen Stadtteil als ihr Herzprojekt umsetzen wird, können wir nicht genug Dank aussprechen, denn ohne sie könnten wir dieses Projekt nicht durchführen!

 

 

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