Auf dem Weg in eine neue Nachhaltigkeit

Global Gate Dubai, 2021, © Adrian Bedoy

Leon Löwentrauts Global Gate in Dubai

Das weltweit größte transportable Kunstwerk stammt von dem interna­tional gefeierten deutschen Shooting­star der Kunst: Leon Löwentraut. Aus­gestellt vor dem Burj Khalifa, dem höchsten Gebäude der Welt, das sich am bekannten Burj Plaza befindet, wird das Global Gate parallel zur Expo 2020 Dubai zu sehen sein. Bis März 2022 wird es einen wichtigen Beitrag zur Vermittlung der Nachhaltigkeitszie­le leisten, die Kernthema des Global Gates und der damit verbundenen Kampagne #Art4GlobalGoals sind. Außerdem lehnt sich das Kunstwerk mit seiner globalen Message an die thematische Ausrichtung der EXPO 2022 an: „Gedanken verbinden, die Zukunft gestalten“.

Zur Weltausstellung werden 25 Millionen Besucher aus über 192 Ländern erwartet. Zum Vergleich: 193 Nationen haben die Nachhaltig­keitsziele, um die es beim Global Gate geht, im Rahmen der Agenda2030 im Jahr 2015 ratifiziert. Damit steht das globale Thema der Nachhaltigkeit künstlerisch nun erstmalig auf der Welt­bühne in Dubai und kann die Men­schen für die Notwendigkeit der Ziele und ihrer Umsetzung bis 2030 sensibili­sieren. Das Projekt wurde mithilfe von EMAAR Properties, der UNESCO­ Son­derbotschafterin Dr. h.c. Ute­ Henriette Ohoven, dem Kunstprojektentwickler Marcus Schäfer, und Löwentrauts Ga­leristen Dirk Geuer sowie weiteren Partnern realisiert.

Global Gate Dubai, 2021, © Adrian Bedoy

Das Global Gate, dessen Korpus aus Containern besteht, trägt als Fassade die 17 Motive der Kampagne #Art­ 4GlobalGoals, die der 23­jährige deutsche Maler Leon Löwentraut gestaltet hat. Er wurde 2017 als erster Künstler weltweit zur künstlerischen Interpretation der von der UN verabschiedeten 17 globalen Ziele zur nachhaltigen Entwicklung der Weltgemeinschaft ausgewählt. Für die Kampagne #Art4Global Goals malte Leon Löwentraut – mit Unterstützung der UNESCO, der YOU Stiftung und Geuer & Geuer Art – insgesamt 17 Unikate, die sich u. a. mit Themen wie „Beendigung der extremen Armut“, „hochwertige Bildung für alle“ und „Frieden und Gerechtigkeit“ auseinandersetzen. Die Generaldirektorin der UNESCO, Audrey Azoulay schreibt hierzu: „Die #Art4GlobalGoals erwecken die 17 Ziele der Agenda für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen zum Leben. Die Energie und Lebendigkeit dieser Bilder des jungen, talentierten deutschen Künstlers Leon Löwentraut vermitteln ein Gefühl der Hoffnung für die Zukunft.“

Der Düsseldorfer Rheinturm erstrahlt im Frühjahr 2021 in den Farben Löwentrauts, © Sebastian Drüen

Diese Arbeiten werden bis 2030 welt­weit für die Bekanntmachung und Unterstützung der nachhaltigen Ent­wicklungsziele eingesetzt. Die 17 Ziele (Goals) sollen dazu beitragen, allen Menschen auf unserem Planeten ein Leben in Würde zu ermöglichen. Die Eröffnungsausstellung der #Art4Global­ Goals fand 2018 im UNESCO Head­quarter in Paris statt. Anschließend wurde die Kampagne im renommier­ten Osthaus Museum Hagen, dem Puschkin Museum in St. Petersburg und dem Palazzo Medici Riccardi in Florenz gezeigt. Im Frühjahr 2021 wurde in einer spektakulären Sonderaktion der Düsseldorfer Rheinturm mit Löwen­ trauts künstlerischer Interpretation des 3. Nachhaltigkeitsziels „Gesundheit und Wohlergehen“ angestrahlt, um die Düs­seldorfer zur Impfung gegen Corona zu bewegen. Jetzt trägt das Global Gate die Message der #Art4GlobalGoals­Kampagne in geballter Form nach Dubai und von dort hinaus in die Welt.

Leon Löwentraut betont: „Mein Kunst­ werk hier in Dubai auf einem solch bedeutenden Platz der Welt ausstellen zu können, bedeutet mir viel. Ich freue mich, die Menschen hier in Dubai für das Thema Nachhaltigkeit zu erreichen.“ Er fügt hinzu: „Die Stadt inspiriert mich, groß zu denken. Das gefällt mir.“

Galerist und Ausstellungsmacher Dirk Geuer, der seit 1987 und in der dritten Generation auf dem internationalen Kunstmarkt tätig ist, erklärt: „Durch die visuelle Kraft dieses Kunstwerks ist es möglich, die Probleme dieser Welt darzustellen, aber auch Hoffnung zu vermitteln. Gemeinsam durch das Global Gate können wir in eine neue Nachhaltigkeit schreiten.“ Das in seiner Konstruktion unverkennbar an das Brandenburger Tor angelehnte Kunst­ werk hat eine beachtliche Monumen­talität von 21 Metern Höhe, 24 Metern Breite und einer Tiefe von sechs Me­tern. Seine fünf Passagen laden den Besucher zu einem Weg der Verwand­lung ein: An jeder der zehn Innenwände werden die Inhalte der globalen Ziele zur nachhaltigen Entwicklung (engl. Sustainable Development Goals / SDGs) in 12 verschiedenen Sprachen erklärt. Um den Transformationsprozess zu intensivieren, hat Löwentraut in einer Fotokampagne, die den Titel „My Futu­re“ trägt, beeindruckende Porträts von Kindergesichtern geschaffen, die den Moment einfangen, als sie mit der Frage konfrontiert wurden, was Zu­kunft für sie bedeute. Diese Schwarz­-Weiß-Fotografien, die Leon Löwentraut minimalistisch von Hand übermalt hat, schmücken die Wände der Durch­gänge und begleiten somit die Be­sucher auf ihrem Weg durch das imposante Gate.

Mit seiner Kombination aus beeindruckender Größe, hochwertiger Kunst und starker Symbolik in Verbindung mit dem sozialen Engagement der Kampagne soll es allen Besuchern die Kampagnenziele vorstellen und einen Wandel möglich machen. Kunst hat dazu die Kraft. Das findet auch die UNESCO­Sonderbotschafterin Dr. h.c. Ute ­Henriette Ohoven, die mit ihrer YOU Stiftung und der UNESCO Hilfsprojekte in Drittländern realisiert und unter­ stützt; sie ist eine der Hauptinitiatorinnen der #Art4GlobalGoals und freut sich über den Erfolg der noch jungen Kam­pagne. So werden aus dem Verkauf der limitierten und handübermalten Grafikeditionen der Serie Löwentraut und seiner Galerie Geuer & Geuer Art bis zum Jahr 2030 rund 680.000 Euro u. a. für das Slumgebiet Baraka in Dakar im Senegal spenden. Eine durch Spen­dengelder ermöglichte Schule konnte dort bereits 2020 eröffnet werden. Ein Anbau mit Bibliothek ist aktuell in Planung. Darüber hinaus konnte mithilfe des bisherigen Erlöses auch die medizinische Grundversorgung für die Bewohner im Slumgebiet Baraka sicher­ gestellt und Menschenleben gerettet werden. Damit löst die Kampagne #Art4GlobalGoals ihr Versprechen ein, sich aktiv an der Erreichung des dritten und vierten Nachhaltigkeitsziels, die sich für ein gleichberechtigtes, hochwertiges Bildungswesen und ein zugängliches Gesundheitswesen für alle starkmachen, beteiligen zu wollen.

Präsentation der #Art4GlobalGoals im UNESCO Headquarter in Paris, 2018, © Geuer & Geuer Art

So steht auch das Global Gate ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit und einer nachhaltigen Verantwortung unseres Planeten und all seinen Lebewe­sen gegenüber. Das gesamte Material, das für das Global Gate verwendet wird, ist zu 100 Prozent recycelbar, die verwendeten Farben umweltfreund­lich. Die notwendigen Container wer­ den am jeweiligen Errichtungsort vom Logistik­partner zur Verfügung gestellt, sodass kein Überseetransport auf einem Frachtschiff nötig ist. Lediglich die Außenfassade reist von Ort zu Ort.

Leon Löwentraut mit seiner Familie, seinem Galeristen Dirk Geuer und der UNESCOSonderbotschafterin Dr. h.c. UteHenriette Ohoven und Claudia Jerger von der YOU Stiftung im Slumgebiet Baraka von Dakar im Senegal, © Geuer & Geuer Art

Leon Löwentraut im Gespräch

Leon, du hast mit dem Global Gate das größte mobile Kunstwerk der Welt geschaffen, das derzeit in Dubai steht. Wie wirkt die Umsetzung einer solchen gigantischen Vision auf dich, insbesondere die Monumentalität des Gates selbst? Macht das was mit dir und wenn ja, was?

Das Global Gate steht vor dem höchsten Gebäude der Welt, dem Burj Khalifa, zur 50­Jahr­Feier der Vereinigten Arabi­ schen Emirate, parallel zur Expo 2020, die in diesem Jahr mit 25 Millionen Gästen rechnet. Du fragst, was das mit mir macht? Ich meine, bei der Kunstaktion geht es gar nicht darum, was das Kunstwerk mit mir macht, son­ dern mit den zahlreichen Besuchern. Ich wünsche mir, dass sie zum Beispiel durch meine Bilder in den Torgängen, die ja u. a. die Zukunftswünsche von Kindern darstellen, berührt und zum Nachdenken angeregt werden. Wir alle wollen gemeinsam eine lebenswerte Welt. Heute, morgen und übermorgen.

 

Leon vor dem Global Gate in Dubai, 2021, © Adrian Bedoy

Das Global Gate war ja erstmalig am Frankfurter Flughafen als symbolisches „Tor zur Welt“ im Jahr 2020 zu sehen. Wohin wird das Gate nach Dubai gehen? Stehen schon weitere Stationen fest? Es gibt Anfragen u. a. aus Wien, Washington, Shanghai und Hongkong.

Wo würdest du es persönlich gerne stehen sehen, unabhängig, ob eine Planung realisierbar wäre oder nicht. Gibt es einen ganz persönlichen Wunschort deinerseits?

Es gibt zahlreiche bedeutende Plätze auf der Welt, wo es viele Menschen erreichen kann. Aber jetzt steht es in Dubai und ich genieße die Situation.

Das Global Gate lehnt sich ja in seiner Grundgestaltung an das Brandenburger Tor in Berlin an. Hast du einen persönlichen Bezug zum Brandenburger Tor oder zur Hauptstadt?

Ich bin als Künstler, aber auch privat sehr oft und sehr gerne in Berlin. Die Stadt inspiriert mich. Nun zum anderen Teil deiner Frage: Das Brandenburger Tor ist eines der bedeutendsten Tore der Welt. Jeder kennt es. Für mich per­ sönlich ist es, von seiner Symbolik für die deutsche Geschichte mal abge­ sehen, ein großartiges, wunderschönes Tor – ganz ohne Türen. Es ist offen – für jeden. Das gefällt mir.

Das Global Gate ist mit deinen 17 SDGs, die du für die Kampagne #Art4Global­ Goals 2017/18 künstlerisch interpretiert hast, gestaltet. Seither sind mehr als drei Jahre vergangen. Kannst du hinsichtlich des Erfolgs der Kampagne, die die Menschen in erster Linie für das Thema Nachhaltigkeit sensibilisieren soll, schon eine erste Bilanz ziehen?

Ich mache eigentlich keine Auftragsarbeiten, habe hier aber eine Ausnahme gemacht, weil in meinen Augen die 17 von der Weltgemeinschaft festgelegten Ziele eine künstlerische Interpretation brauchten. Die 17 Ziele sollen dazu beitragen, allen Menschen auf unserem Planeten ein Leben in Würde zu ermöglichen. Meine Kunst unterstützt diese Ziele, weil ich sie für höchst wichtig halte.

Eine erste Bilanz sieht so aus: Mein Gemäldezyklus #Art4GlobalGoals wurde bereits mehrfach präsentiert u. a. im Puschkin Museum in St. Petersburg, im Palazzo Medici Riccardi in Florenz, im Osthaus Museum Hagen und im UNESCO Headquarter in Paris, um nur einige Stationen zu nennen. Zudem stand das Global Gate bereits am Frankfurter Flug hafen. Die Ausstellungen und Kunstaktionen erhielten jeweils sehr große Medienresonanz – auch international.

Wie schätzt du die internationale Schlagkraft des Global Gates hinsichtlich seines Aufrufs zu mehr Nachhaltig­ keit ein? Wird es die Menschheit sensibilisieren und auch zum Umdenken bewegen können?

Ein Blick zurück in die Geschichte zeigt, dass Kunst die Kraft hat, Dinge zu benennen, zu bewegen und zu verän­ dern. Meine Kunst erreicht Menschen auf einer emotionalen Ebene und kann so große Wirkung entfalten. Gute Kunst wirkt auf das Unterbewusstsein ein. Und Kunst spricht eine universelle Sprache. Sie ist für jeden verständlich – überall auf der Welt. Ob es die Menschen zum Umdenken bewegen kann, wird sich zeigen.

Welches der 17 Nachhaltigkeitsziele spricht dich persönlich am meisten an und was trägst du als Künstler dazu bei, dass dieses Ziel bis 2030, wie es die Agenda der Weltgemeinschaft vorsieht, auch erreicht wird?

Schulbesuch im Slumgebiet Baraka in Dakar, Senegal, © Geuer & Geuer Art

Für mich ist „Quality Education“ absolut das wichtigste Ziel, weil Bildung die Grundlage und Voraussetzung für alle anderen Goals ist. Ohne Bildung läuft gar nichts. Das thematisiert ja nicht nur mein Gemäldezyklus #Art4GlobalGoals, sondern darüber rede ich auch in Talkshows und Interviews.